Präsentation der BI auf SuedLink Veranstaltung – 02.04.2019

Präsentation der Bürgerinitiative Gegenwind e.V. auf der SuedLink Veranstaltung
der Stadt Göttingen am 2.4.2019 im Freizeit In

(Hier die Präsentationsfolien)

Die Vorstandsmitglieder der Bürgerinitiative Gegenwind sind wie alle unsere Mitglieder betroffene Bürger unserer Ortsteile, wir stehen alle mitten im Leben und mischen uns nun seit sieben Jahren ein. Denn wir übernehmen damit Verantwortung für uns und unsere Mitmenschen und unsere Umwelt. Wir möchten klarstellen, dass wir eine vernünftige und durchdachte Energiewende bejahen.
Mit dieser Zusammenstellung möchten wir Ihnen sehr klar vor Augen führen, was im Stadtgebiet von Göttingen an Versorgungsleitungen und Verkehrswegen durch und an unseren Ortsteilen vorbeizieht. Die ICE- Trasse, die B3 durch Gross Ellershausen, die Autobahn A7, daneben die überregionale Gasleitung, die Hoch – und Höchstspannungsstromtrassen, von 110 kV, 220 kV, Bahnstrom bis hin zur Wahle-Mecklar Trasse mit 380 kV und nun vielleicht noch der SuedLink mit 320-700 kV.

Das Wichtigste in Kürze

In einem dichten Netz von bereits vorhandenen Versorgungsleitungen und Verkehrswegen sollen nach aktuellem Planungsstand nun also bald auch noch zwei Höchstspannungsstromtrassen durch unser westliches Stadtgebiet verlaufen. Eine 380 kV-Wechselstromtrasse, die der Versorgungssicherheit und Netzstabilität der Gemeinden entlang der Strecke dienen soll, bekannt nach ihren Start- und Endpunkten als Wahle-Mecklar. In diese kann auf ihrem Weg sowohl Strom eingespeist als auch entnommen werden. Dafür sind Umspannwerke mit einem Flächenbedarf von 5 bis 7 ha notwendig, was ungefähr der Größe eines Fußballfeldes entspricht. Diese Trasse ist per Gesetz aus Kostengründen als Freileitung zu errichten. Nur an Stellen, an denen der Mindestabstand zur Wohnbebauung 400m unterschreitet, ist ein Erdkabel zu verlegen. Ein solches ist östlich an Hetjershausen und Groß Ellershausen vorbei bis nach Olenhusen geplant.

Seit Neuestem kommt nun der SuedLink dazu. Er soll die Windräder im Norden mit der Industrie im Süden verbinden und dient ausschließlich der Versorgung der dort ansässigen energieintensiven Unternehmensstandorte. Es handelt sich um eine reine Punkt-zu-Punkt-Verbindung, ohne Entnahme und Einspeisung entlang der Strecke. Der SuedLink soll als Erdkabel in Gleichstromtechnik geführt werden. Der Trassenverlauf ist westlich an Elliehausen und Groß Ellershausen vorbei und mitten durch Hetjershausen hindurch geplant.

Einwände

Mit der Neuaufstellung des Flächennutzungsplanes für die Stadt Göttingen im Mai 2017 ging eine mehrjährige Planungsphase zu Ende, in der sich Verwaltung und Stadtrat auf ein klares städtebauliches Entwicklungskonzept für die nächsten 25 Jahre festgelegt haben:
Der Norden der Stadt zwischen Weende und Bovenden wird überwiegend für Uni und Max-Planck-Institute reserviert. Im Süden bei Geismar wird ein Grüngürtel zur Naherholung entwickelt. Der Osten um Roringen und Herberhausen ist aufgrund seiner Topographie und Bebauung bereits nahezu ausgeschöpft. Im Westen der Stadt, also hier bei uns, werden umfangreiche Neubauflächen für junge Familien mit Ein- und Zweifamilienhäusern entwickelt. Elliehausen, Esebeck, Hetjershausen und Groß Ellershausen bieten durch ihren dörflichen Charakter und die gute Infrastruktur einen sehr hohen Wohnkomfort für junge Familien mit berufstätigen Elternteilen.

Die nun geplanten Trassenverläufe von Wahle-Mecklar plus SuedLink kesseln Hetjershausen und Groß Ellershausen dermaßen ein, das diese Wohnbauentwicklung für alle Zeiten passé sein wird.

TenneT betont zwar immer wieder, dass man rechts und links von den Kabeln munter weiter bauen und wohnen kann. Aber ganz im Ernst… welche junge Familie verschuldet sich mit einem Hausbau auf 20 Jahre, um dann mit ihren Kindern an einem Feldversuch zu Auswirkungen von Strom auf die menschliche Gesundheit teilzunehmen; und sieht ganz nebenbei noch dabei zu, wie ihre neuen Häuser immer mehr an Wert verlieren? Es ist unerträglich, welche Angst und Sorgen man den jungen Familien zumutet, die im Neubaugebiet Deneweg Grundstücke gekauft haben und jetzt aus der Nummer nicht mehr rauskommen.

TenneT sagt weiterhin, der SuedLink läuft westlich an Göttingen vorbei. Dann schauen Sie sich bitte mal genau die Engstelle in Hetjershausen zwischen Altdorf und Winterberg/ Hasenwinkel an: da beträgt der Abstand von einem Haus zum anderen gerade mal 195m. Da läuft nichts vorbei, da läuft was mittendurch und ganz schön schief! Die Kabeltrassen von SuedLink und Wahle-Mecklar werden im Stadtgebiet verlaufen und desaströse Auswirkungen auf die Weiterentwicklung unserer Stadt und den Fortbestand unserer Ortsteile haben.

Erdkabel – Stromtrasse im Bau

Hier eine exemplarische Darstellung vom Bau einer Stromtrasse in offener Bauweise, wie sie gemeinhin geplant ist.
Man sieht mehrere Kabelpaare, die in einer Tiefe von 1,60 bis 2m in einen Kabelgraben gelegt werden. Die Trasse wird während der Bauphase bis zu 60m breit sein, danach ist ein gut 30m breiter Streifen freizuhalten, um zwecks Reparaturen jederzeit an die Kabel heran zu kommen. Die Bauphase ist vergleichbar mit der einer großen Bundesstraße.
Auswirkungen auf Boden, Tier- und Pflanzenwelt

Auswirkungen auf Boden, Tier- und Pflanzenwelt

Leider hat der SuedLink aber nicht nur städtebauliche Auswirkungen auf Göttingen. Die Trasse liegt komplett im Landschaftsschutzgebiet „Leinetal“. Dabei handelt es ich um ein Gebiet entlang einer Abbruchkante, das vor mehreren Millionen Jahren entstanden ist. Es zeichnet sich durch spezielle Landschaftsaspekte und besonders fruchtbare Böden aus. Die zugrundeliegende Schutzgebietsverordnung hat kurz gesagt den Zweck, alles zu fördern, um dieses geologisch einmalige Gebiet in seiner Ursprünglichkeit zu erhalten und alles zu verbieten, was es verändert.

Besondere Beachtung verdient Absatz 1 des Paragraphen 3 dieser Schutzgebietsverordnung.
„Im Landschaftsschutzgebiet sind folgende Handlungen verboten:

  1. Die Bodengestalt zu verändern (zum Beispiel das Aufschütten von Bodenbestandteilen).
  2. Bauliche Anlagen aller Art (auch solche, die unter die Baufreistellungsverordnung fallen), oberirdische oder unterirdische Draht- und Rohrleitungen, etc. zu errichten oder äußerlich zu verändern.“

Auch das Bundesnaturschutzgesetz zusammen mit dem Bundesbodenschutzgesetz stellt Böden allgemein wegen ihrer überragenden Bedeutung für Mensch und Umwelt den Schutzgütern Wasser und Luft gleich. Böden haben nicht nur eine herausragende Bedeutung für die Ernährungssicherung und Existenz unserer Landwirtschaft, sie bilden auch den Lebensraum für eine vielfältige Tier- und Pflanzenwelt und stellen darüber hinaus in Göttingen eine außergewöhnliche geologische Erscheinung dar.

Schädliche Bodenveränderungen

Was genau sind nun aber die zu erwartenden Auswirkungen, die uns Sorgen bereiten?
Es ist zu allererst die von den Kabeln verursachte Bodenerwärmung. Wie hoch wird diese tatsächlich sein und welche Auswirkungen hat das auf das Wachstum der Pflanzen? Hat es der Bauer zukünftig mit zwei Reifezyklen auf seinen Äckern zu tun, nämlich auf der warmen Trasse und dem kühlen Umland? Oder fault die Saat ganz und gar oberhalb der Trasse, weil das Wintergetreide keine Vegetationsruhe mehr hat?

Wie sieht es mit Nachsackungen aus? Jeder, der schon einmal ein Loch gebuddelt und dieses wieder zugeschüttet hat weiß, wie lange es dauert und wieviel Sack Erde es kostet, bis sich der Boden wieder final gesetzt hat…egal, wie sehr man den Boden rüttelt und schüttelt! Aus der Forstwirtschaft wissen wir, für wieviel Jahrzehnte ein Boden tot ist, wenn schwere Maschinen ihn verdichten.
Auf den Seiten der Vorhabenträger kann man nachlesen, dass der Boden schichtenweise abgetragen und getrennt gelagert wird. Da können wir ja dann mal ganz beruhigt sein, dass bei uns im Wasserschutzgebiet die Schichten bis in 2m Tiefe auch wieder gemäß ihrer Reihenfolge und Wasserdurchlässigkeit völlig unschädlich für unser Grundwasser zurückgebuddelt werden. Wasseradern stören sowieso nur den Schlaf und können dann mal weg.

Auswirkungen auf Wasserschutz- und Wassereinzugsgebiet

Wir befinden uns im Einzugsgebiet des Gronespring, vielen besser bekannt als „Springmühle“, einer Karstquelle, die sich vor Jahrmillionen bei der Entstehung des Leinetalgrabens gebildet hat. Dabei sickert Oberflächenwasser durch den oberen durchlässigen Muschelkalk bis in tieferliegende wasserundurchlässige Bereiche und staut sich dort auf. Aus insgesamt 6 Brunnen fördert die Stadtwerke Göttingen AG dort Trinkwasser für die Stadt Göttingen. Dieses wird vor Ort in einer von insgesamt 3 Mischwasserstationen mit Harzwasser aus der Sösetalsperre bei Osterode am Harz gemischt.

Aufgrund dieser hohen Bedeutsamkeit für die Trinkwassergewinnung trat bereits in den 80ger Jahren eine Trinkwasserschutzgebietsverordnung für den Gronespring in Kraft, in der dem Schutz des Wassers oberste Priorität eingeräumt wird und Eingriffe jedweder Art zu meiden sind. Bei sogenannten konkurrierenden Nutzungsinteressen hat der Schutz des Grundwassers immer Vorrang vor allen anderen Bedarfen.

Erst im September 2014 bestätigte das Verbrauchermagazin Öko-Test dem Göttinger Wasser mit Platz 1 von 69 beteiligten Städten seine hervorragende Qualität. Im Jahr 2017 hat sich die Untere Wasserbehörde als städtische Aufsichtsbehörde für den Gewässerschutz bei Bekanntwerden der geplanten SuedLink-Führung in einer Stellungnahme eindeutig ablehnend geäußert. Hier ist die Rede von Nitrateintrag, der durch neu eingebrachtes Erdreich befürchtet wird, ferner von nah an der Oberfläche verlaufenden Fließgewässern, die unterbrochen werden könnten und fehlenden Schutzschichten über dem Kalkstein.

Dr. Rappenecker, technischer Vorstand der Stadtwerke AG, schließt einen Stopp der Trinkwasserförderung zumindest während der Bauphase nicht aus und fordert eine strenge Baustellenüberwachung.

Gesundheit

Das Vorbeugen von Erkrankungen ist im Hinblick auf die menschliche Gesundheit die sinnvollste Maßnahme. Als Mitglied bei AEFIS (Ärzte für Immissionsschutz), einem Zusammenschluss von Ärzten, die sich mit Umweltmedizin befassen, ist es für mich (Dr. Anita Schmidt-Jochheim) äußerst irritierend zu verfolgen, dass technische Riesenprojekte in Angriff genommen werden ohne ausreichende Untersuchungen oder ausreichende Studien zur gesundheitlichen Unbedenklichkeit.

Den folgenden Aussagen liegen Studien und Empfehlungen von Fachgesellschaften oder Kommissionen zugrunde. Die Quellen können Sie bei Interesse auf unserer Homepage nachlesen.

Was macht also der Strom mit uns?

Wir Menschen sind selbst elektrische Wesen, in unserem Körper treten elektrische Ströme und Felder auf. Nerven übertragen ihre Signale durch Weiterleitung von elektrischen Impulsen. Die Gehirnströme werden im Elektroenzephalogramm (EEG) abgeleitet. Das Herz ist elektrisch aktiv – sichtbar im Elektrokardiogramm (EKG). Fast alle Stoffwechselvorgänge in unserem Körper gehen mit einer Verschiebung von geladenen Teilchen (Ionen) einher. Ohne diesen Ionentransport funktioniert der Zellstoffwechsel nicht. Die natürlichen Feldstärken im Körper liegen im niedrigen Millivolt Bereich.

Wenn nun von außen elektrische Felder auf uns einwirken, kommt es zu Veränderungen: zunächst zu biologischen Effekten an den Zellen und bei größeren Stromstärken zu gesundheitlichen Gefahren durch die Stimulation von Nerven- und Muskelzellen. Sie kennen das vom Stromschlag: er kann Herzkontraktionen auslösen, die über Herzkammerflimmern bis zum Tod führen können.
Wir wissen also: es gibt keinen Kuschelstrom – deshalb bringen wir auch kleinen Kindern bei, nicht in die Steckdose zu fassen, deshalb ziehen wir Netzstecker, legen den Sicherungsschalter um, bevor wir Elektroarbeiten ausführen.

Aber wir sind mehr und mehr von elektromagnetischen Feldern umgeben und bedenken nicht, dass sich deren Auswirkungen summieren und unsere Gesundheit beeinträchtigen können. Denken Sie an all die Haushaltsgeräte, an Handy, Computer, Tablets, Induktionsherde, Funkmasten und Stromleitungen. In dem Moment, in dem Sie ein Kabel in eine Steckdose stecken, entsteht ein elektrisches Feld und in dem Moment, in dem Sie etwas in Betrieb nehmen, fließt Strom und es entsteht zusätzlich ein Magnetfeld. Die Stärke des Magnetfeldes wird in MikroTesla gemessen (µT).

Zurück zu den Trassen: die elektrischen Felder der Trassen sind durch die metallische Umhüllung der Kabel komplett abgeschirmt, aber das Magnetfeld lässt sich nicht abschirmen, es durchdringt alles. Die Berechnung des Magnetfeldes der Trasse durch die Firma TenneT erfolgte durch Berechnung am Schreibtisch, nicht durch eine reale Messung. Es gibt in Deutschland das Bundesimmissionsschutzgesetz, das durch entsprechende Verordnungen Mensch und Umwelt vor den schädlichen Auswirkungen von Magnetfeldern schützen soll.

In Deutschland gelten dabei folgende Grenzwerte: für Drehstromleitungen wie Wahle-Mecklar gelten 100 µT, für Gleichstromhöchstspannungsstromtrassen gelten 500 µT. In anderen Ländern gelten deutlich niedrigere Grenzwerte und es gibt auch Länder, die in ihrer Gesetzgebung sogenannte Vorsorge Grenzwerte eingeführt haben, wie beispielsweise die Schweiz mit 0,1 µT!

Auf der Grafik, die sich auf die Drehstromtrasse bezieht, zeigen wir Ihnen, dass das Magnetfeld der Freileitung (hier orange) in der Mitte nur etwa halb so hoch ist wie das Magnetfeld über der Kabelmitte eines Erdkabels (lila) – dafür fällt das Magnetfeld des Erdkabels schnell seitlich ab, während das der Freileitung einen Schutzstreifen von 50 Meter zu jeder Seite erfordert. Bei der Gleichstromtrasse SuedLink beträgt das statische Magnetfeld über der Erdkabelmitte etwa 45 µT.

Studien

Wie kommen nun solche Ergebnisse zu Krankheiten und ihren Ursachen zustande? Welche Untersuchungsmöglichkeiten gibt es?
Wir kennen epidemiologische Studien. Sind beispielsweise in einem Dorf auffällig viele Menschen an einer Krebsart erkrankt, dann wird geforscht, was der Auslöser dafür sein kann (Umweltgifte, Wasserbelastung usw.)
Experimentelle Untersuchungen am Menschen: wie z.B. Medikamentenstudien, oder jemand wird bestimmten Stresssituationen ausgesetzt und seine Körperfunktionen dann gemessen.
Experimentelle Untersuchungen am Tier: damit will man bei Tierarten, die uns Menschen ähnlich sind, herausfinden, welche Krankheiten sich entwickeln und welche biologischen Effekte auftreten, wenn das Tier verschiedenen Einflüssen ausgesetzt wird. Es wird dann versucht, die Ergebnisse auf den Menschen zu übertragen.
Experimentelle Untersuchungen (in vitro, d.h. im Labor) an einzelnen Zellen oder an Gewebe: damit lassen sich biophysikalische Wirkmechanismen nachweisen und beispielsweise auch herausfinden, wieviel Schädigung eine Zelle verträgt.

Um zu den Stromtrassen zurückzukehren: viele Untersuchungen wurden für Wechselstrom durchgeführt, wenige mit Gleichstrom; es gibt kaum Versuchsstudien mit Menschen aus naheliegenden Gründen.

Aus der Medizin weiß man, wie lange es dauert, bis Erkenntnisse sich so durchsetzen, dass der Gesetzgeber mit Verboten oder Grenzwerten reagiert oder auf Druck reagieren muss. Denken Sie nur an Röntgenstrahlen, an Radioaktivität, an Asbest, an Rauchen, an Feinstaub und so vieles mehr. Es sind manchmal 30 bis 50 Jahre, bis sich etwas ändert und die Mahner werden oft belächelt oder lächerlich gemacht und verspottet; die Industrielobby ist mächtig und einflussreich!

Grenzwerte

Was sagen nun die offiziellen Gremien wie das Bundesamt für Strahlenschutz oder die Strahlenschutzkommission?

Generell lässt sich feststellen: sie mahnen zur Vorsicht, sie formulieren sehr zurückhaltend und verweisen auf die geringen bisherigen Erfahrungen mit Höchstspannungsstromtrassen. Die EU kommt 2009 in ihrem Review zum Schluss, dass die Datenlage für eine belastbare Risikobewertung von magnetischen Gleichfeldern nicht ausreicht. Ähnlich äußerte sich 2006 die WHO. Die Strahlenschutzkommission SSK empfiehlt, die Gleichfelder von HGÜ-Leitungen mit dem Ziel der Vermeidung gesundheitlicher Beeinträchtigungen zu begrenzen. Sie weist auf die Notwendigkeit des Schutzes von Personen mit magnetisch aktivierbaren Implantaten hin. Um z.B. eine Störbeeinflussung von Herzschrittmachern sicher auszuschließen, wird eine Begrenzung der magnetischen Flussdichte auf 500 µT empfohlen.

Logische Konsequenz

Aus all dem, was wir heute schon gehört haben und inzwischen wissen oder vielmehr noch nicht wissen, kann es nur eine logische Konsequenz geben:
Es darf nicht auch noch der SuedLink durch Göttingen geführt werden! Kostengünstiges Bauen durch eine möglichst gradlinige Trassenführung von Nord nach Süd darf in Ballungsgebieten im engen Leinetal kein ausschlaggebender Faktor sein. In einem dichten Netz von bereits vorhandenen Versorgungsleitungen und Verkehrswegen können nicht allen Ernstes noch zwei Höchstspannungsstromtrassen geplant werden, nur weil es der direkte Weg ist. Bei uns müssen städtebauliche Entwicklung weiterhin möglich und vorsorgender Gesundheitsschutz zwingend sein.

Und was macht Tennet?

Trotz aller seit Jahren vorgetragenen Einwände plant TenneT inzwischen zwei Höchstspannungs-Stromtrassen bei uns!

Durch die mittige Durchschneidung Hetjershausens in unmittelbarer Nähe zur bestehenden und aktuell entstehenden Wohnbebauung können wir die Stadt nur durch Überqueren einer oder beider Leitungen erreichen. Mehrmals und täglich!

Die Einwohner am Hasenwinkel und Winterberg werden völlig abgetrennt, die vom Altdorf und Groß Ellershausen durch zwei Höchstspannungs-Stromtrassen eingekesselt. Wir wissen aktuell nicht, welche gesundheitlichen und ökologischen Beeinträchtigungen die Stromtrassen bringen werden. Es handelt sich um eine neue Technologie ohne dies bezügliche Erkenntnisse.

Verlegt man die Piloten allerdings entlang von oder gar mitten durch Wohngebiete, nimmt man Beeinträchtigungen für die Anwohner bewusst in Kauf oder blendet diese zumindest ignorant aus. Es handelt sich hier um einen groß angelegten Feldversuch, der auf unser aller Kosten geht. Weder unserem dringenden Wunsch nach medizinischer Evaluation und wissenschaftlicher Begleitung noch nach Markierung der Trassen will man nachkommen.

Lediglich am Versuchshof der agrarwissenschaftlichen Fakultät der Uni Göttingen entsteht im Auftrag von TenneT aktuell ein Testfeld, auf dem eine Erdkabelstrecke simuliert wird…wohlgemerkt simuliert mittels Heizbändern. Hier erhofft man sich über einen Zeitraum von 6 Jahren Erkenntnisse über Auswirkungen auf den Boden, wie Erwärmung, Verdichtung und Nachsackung. Bis dahin liegen Wahle-Mecklar und SuedLink längst bei uns vor der Haustür. Dann können wir hier unsere eigenen Versuchsreihen unter realen Bedingungen und sogar am lebenden Objekt starten!

Das ist keine zumutbare Belästigung, sondern eine unzumutbare Belastung

Vielleicht will man uns jetzt vorhalten, dass wir uns nicht an der Energiewende beteiligen oder nach dem Sankt-Florians-Prinzip anderen die Trassen zuschanzen wollen.

Das ist falsch. Wir im westlichen Stadtgebiet wollen weder in eine Grundsatzdiskussion über Sinn oder Unsinn von Stromautobahnen einsteigen, noch wollen wir Wahle-Mecklar und den SuedLink einfach weghaben. Wir haben uns von Anfang an sehr konstruktiv in die Planung der 380kV-Trasse als Erdkabel eingebracht und sind mit dem Ergebnis mehrheitlich überaus zufrieden. Dass nun mit dem SuedLink noch eine zweite Höchstspannungs-Stromtrasse zu uns kommen soll, die unsere Ortsteile durchtrennt und einkesselt und damit unsere Gesundheit und Entwicklung in nicht absehbarer Art und Weise beeinträchtigen wird, dagegen setzen wir uns entschieden zur Wehr.

Es geht hier nicht um eine zumutbare Belästigung, derer wir uns entziehen wollen, sondern um eine unzumutbare Belastung, die wir verhindern müssen!