Die Stadt Göttingen plante die westliche Feldmark von Hetjershausen und Groß Ellershausen als Vorranggebiet für Windkraftanlagen auszuweisen. Diese Fläche liegt deutlich erhöht (80 - 100 m) und genau westlich der Wohngebiete (270). Dadurch befinden sich die Wohngebiete stets im Einzugsbereich der Lärm- und Infraschallemission entsprechend der ganzjährig vorherrschenden Westwinde sowie der täglich im Westen untergehenden und somit von Natur aus tief stehenden Sonne.

Das Vorranggebiet ist ca. 19 ha groß und hat einen Abstand von 1000 m zum Ortsrand Hetjershausen und von 500 m zu Aussiedlerhöfen und Einzelbebauungen. Der Abstand zu Rotmilanhorsten beträgt 1250 m.

Auf dieser Fläche sollten Windkraftanlagen vom Typ E-101 ENERCON gebaut werden, mit einer Gesamthöhe von fast 200 m. Damit wären sie höher als der Fernsehturm in Bovenden und der Kölner Dom.

Allein durch die Höhenlage würden die WKA zusätzlich zur Eigenhöhe von rund 200 m um weitere rund 100 m gegenüber den Orten erhöht. Daraus ergäben sich Schlagschatten von monströsem Ausmaß (2 km und mehr) mit jahreszeitlich wechselnden Zielorten (im Winter mehr über Hetjershausen, im Sommer mehr über Groß Ellershausen).

Durch die exponierte Lage und die vorherrschende Windrichtung sahen wir uns als Bewohner dieser Orte gesundheitlichen Gefahren und einer Beeinträchtigung unserer Lebensqualität ausgesetzt, was uns zu großer Sorge veranlasste.

Wer entscheidet?

Der Rat der Stadt Göttingen entscheidet darüber, welche Gebiete zu Vorrangflächen umgewandelt werden. Er trägt dabei eine starke Verantwortung für die hier lebenden Menschen und die uns umgebende Natur. Die Entscheidung sollte nicht gegen die Bürger, sondern stets in Absprache mit Ihnen getroffen werden. Der Ortsrat von Groß Ellershausen/Hetjershausen/Knutbühren hatte schon bei der ersten Anfrage im Dezember 2012 einstimmig im Sinne der Bürger gegen den Plan einer Umwandlung der zur Diskussion stehenden Gebiete votiert. (Sämtliche Beschlussvorlagen finden Sie unter: http://www.goettingen.de/staticsite/staticsite.php?menuid=1588&topmenu=1583

Wie war der Zeitplan?

Im Sommer 2013 sollte politisch entschieden werden, welche Gebiete in Göttingen als Vorranggebiete für den Bau von WKA ausgewiesen werden. Dabei war angeblich Eile geboten, um an den umfangreichen Erträgen aus einer derzeit noch besonders üppigen Einspeise-Vergütung zu partizipieren.

Wer könnte der Betreiber sein?

Während immer wieder die Idylle eines Bürgerwindparks beschworen wurde, war davon auszugehen, dass ein bundesweit agierender Großinvestor wie derzeit die Windkraft Nord AG in Rosdorf in Absprache mit seiner Hausbank die Anlagen erstellen würde.

Wer profitiert von der Windkraft?

Angeblich sollen wir als Bürger profitieren, aber die Realität sieht eher so aus, dass wir lediglich unserer natürlichen Umgebung beraubt werden und darunter leiden sollen. Hauptprofiteure sind unserer Meinung nach eher große Aktiengesellschaften wie die Windkraft Nord AG und ihre Bank sowie die Grundeigentümer, die bei der Verpachtung ihrer Flächen an die Betreiber mit mehr oder minder hohen, jährlichen Pachteinnahmen rechnen können. Weiterhin profitieren die Betonindustrie, Fachingenieure und eventuell auch ein Teil der heimischen Handwerker während der Bauphase.

Ob darüber hinaus die Betreiber mit einer angemessenen Rendite rechnen können, Gewerbesteuereinnahmen in die Stadtkasse fließen und das Klima deutlich entlastet wird, hängt ganz wesentlich von der Wirtschaftlichkeit der Anlagen an den gewählten Standorten ab. (Praxiserfahrungen mit der Wirtschaftlichkeit von Bürgerwindparks, vom Vorsitzenden des Anlegerbeirats des Bundesverbands WindEnergie e.V.).

Darüber hinaus sollte ja auch die Umwelt entlastet werden. Leider kommt uns auch dieses Argument der Windkraftanlagen (WKA)-Verkäufer immer fragwürdiger vor, je tiefer wir in die Materie einsteigen. Können doch die WKA nur im Zusammenspiel mit sehr ineffizient im Hintergrund parallel laufenden Kohlekraftwerken betrieben werden.