Vortrag „Ach lass mich doch in Ruh, mit Deinem Scheissklimawandel“ im Zentralen Hörsaalgebäude der Universität Göttingen. Veranstalter der Vortragsreihe war der Förderkreis Planetarium Göttingen in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule Göttingen. Prof. Lesch ist Professor für Theoretische Astrophysik am Institut für Astronomie und Astrophysik der Ludwig-Maximilians-Universität München und Lehrbeauftragter für Naturphilosophie an der Hochschule für Philosophie München. Zudem ist er Klimaberater der Bayrischen Umweltministerin.

Kritik an den Schlussfolgerungen von Herrn Prof. Lesch

Prof. Lesch ließ keinen Zweifel erkennen, dass es immer wärmer werde, weil die Menschen die Erde aufheizen und so den Treibhauseffekt herbeiführen. Seine Schlussfolgerung daraus ist neben einer Veränderung unseres Lebensstils die Forderung nach einer Forcierung der Energiewende in Deutschland und des Ausbaus der Windenergie.

Prof. Lesch begann seinen Vortrag mit einer humorvollen Autoimmunisierung seiner abschließenden These von der Bedeutung der deutschen Energiewende und des Ausbaus der Windenergie für die Verhinderung des dramatischen Klimawandels durch menschengemachte CO2 Emissionen. Sie lautete:

Verschont mich mit den Chinesen!

Da CO2 Emissionen ubiquitär in der Atmosphäre verteilt sind, es also keine deutsche Atmosphäre gibt, ist jede Einschränkung auf eine winzige Region wie das Territorium unseres Landes sinnlos. Fakt ist, dass Deutschland insgesamt (alle Sektoren inkl. Strom) zur den globalen CO2-Emissionen rund
2 % beiträgt. Vergleicht man damit allein den verbrauchsbedingten jährlichen Zuwachs in China, so entspricht dieser alle 14 Monate den deutschen Gesamtemissionen. Anders gesagt: Selbst wenn Deutschland wie angedeutet im Meer versinkt und jegliche Emission abrupt endet, wird deren Wegfall allein durch den chinesischen Anstieg (Zuwachs!) in gut einem Jahr ausgeglichen. Im Detail macht natürlich der Strom nur 15% vom Endenergieverbrauch Deutschlands aus, so dass die Einflussmöglichkeit wesentlich geringer ausfällt.

Eine Flaute in Dransfeld wird irgendwo in Europa ausgeglichen

Gegen die Sinnhaftigkeit des WKA Ausbaus hat ein Bürger aus Dransfeld in der Diskussion den Einwand vorgetragen, er habe gerade erst beobachtet, in Dransfeld habe an 11 Tagen gar kein Wind geweht. Dieser Beobachtung ist Prof. Lesch vehement entgegengetreten: Es erfolge ein Ausgleich durch WKA an anderen Stellen in Europa, irgendwo wehe der Wind immer. 

Leider ist diese These von Herrn Prof. Lesch durch die meteorologische Realität widerlegt. Die Auswirkungen europäischer Großwetterlagen sind über die Leistungsganglinien der in Europa installierten ca. 100.000 WEA dokumentiert. Der Leistungseinspeisung der deutschen WEA (hellblau) wurde in Abb. 9 die Leistungseinspeisung aller Anlagen von 15 EU-Nachbarstaaten überlagert:

Selbst bei einem europäischen Stromnetz auf Basis von WEA müsste stets ein hundertprozentiges Ersatzsystem zur Verfügung stehen, um die Sicherheit der Stromversorgung zu gewährleisten. Es müssen also stets konventionelle Kraftwerke im Hintergrund bereitgehalten werden. Diese werden in den Stop-&-Go-Betrieb gezwungen, arbeiten dadurch unwirtschaftlich und verbrauchen mehr Brennstoff, als sie müssten. Außerdem drängt der Windstrom die vergleichsweise CO2-armen Gaskraftwerke aus dem Markt und fördert so indirekt den Braunkohleeinsatz. Durch diesen Zusammenhang wird der Windradbefürworter automatisch zu einem Förderer der Kohleverstromung.

Was kann man daraus folgern?

1) An den humanbedingten Klimwandel können wir uns in Deutschland lediglich anpassen: Luftbewegung über Frischluftschneisen gegen Überhitzung der Innenstädte, klimatisierte Turnhallen zum Schutz der Bevölkerung, höhere Dämme usw.

2) Unsere Atmosphäre und das Weltklima kann nur länderübergreifend durch eine Bepreisung der Verschmutzung beeinflusst werden. Das dazu geeignete Instrument ist der Zertifikatehandel.

Vgl. „Kompendium.pdf“ Kompendium für eine vernünftige Energiepolitik, 11/2017

BMWi: Bundesministerium für Wirtschaft

WKA: Windkraftanlagen