Im Jahr 2013 äußerte sich der Geschäftsführer des ECOLOG-Instituts Dr. H.-Peter Neitzke im Rahmen eines Vortrags zur 380 kV-Trasse von Wahle nach Mecklar im Sporthaus Groß Ellershausen/Hetjershausen auch zum Thema Gleichstromtrassen: „Viele Menschen glauben, Gleichstrom sei harmloser als Wechselstrom. Das ist ein Irrtum. Gleichstrom ist lediglich noch schlechter erforscht als Wechselstrom.“ Die biologischen Wirkungen statischer Magnetfelder können durch unterschiedliche Forschungsansätze belegt werden.

Zunächst ist es möglich, durch epidemiologische Studien und experimentelle Untersuchungen am Menschen die Erkrankungsrate in der Bevölkerung sowie das Auftreten biologischer Effekte in Abhängigkeit von der Exposition darzustellen. Studien ergaben hier erhöhte Risiken für verschiedene Krebserkrankungen bei beruflich Exponierten, u. a. Lungenkrebs, Bauchspeicheldrüsenkrebs und Krebs des hämatologischen Systems.

In tierexperimentellen Untersuchungen zeigte sich eine biologische Wirksamkeit im Bereich von 10 μT bis 100 μT. Es kam zu Störungen der Synthese des Hormons Melatonin in der Zirbeldrüse (eine verminderte Ausschüttung des Hormons begünstigt beim Menschen u. a. die Entstehung von Brustkrebs) und zu Beeinträchtigungen des Orientierungsvermögens von Wirbeltieren und Wirbellosen. In experimentellen Untersuchungen (in vitro) an Gewebe oder Zellen konnte eine biologische Wirksamkeit bereits bei wenigen μT nachgewiesen werden. Es kam zu Beeinflussungen der Gentoxizität, des Zellwachstums, der Gen-Expression, der Membranfunktionen, der Enzymaktivität sowie des Zellmetabolismus und der Zellorientierung.

Ein Problem ist die wissenschaftliche Anerkennung aufgrund der geringen Anzahl der Studien, der niedrigen Anzahl untersuchter Menschen und fehlender Bestätigung durch Versuche. Eine geforderte Beweisführung ist jedoch aus ethischen Gründen nicht möglich, da es sich hierbei um Menschenversuche handeln würde. Insbesondere müssten auch Versuche an Kindern durchgeführt werden. Im Übrigen verbietet auch die Schwere der durch elektromagnetische Strahlung erzeugten Erkrankungen Versuche an Menschen. Nach den Vorsorgeempfehlungen des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) soll bei Gleichstromanlagen der zusätzliche Immissionsbeitrag nicht höher als die natürliche Hintergrundbelastung (Erdmagnetfeld, hier ca. 45 μT) sein. Das ECOLOG-Institut hält diesen Wert unter Vorsorgegesichtspunkten zu hoch und empfiehlt eine Begrenzung auf 0,1 μT.

Auch das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) fordert Vorsorgemaßnahmen, um der Unsicherheit Rechnung zu tragen, da neben den nachgewiesenen gesundheitlichen Auswirkungen auch wissenschaftliche Hinweise auf gesundheitliche Risiken bei niedrigen Feldstärken existieren. Nicht zu vernachlässigen sind Beeinträchtigungen der Menschen während der Bauphase. Als besonders belastend zählt der Lärm durch Bauarbeiten und Baustellenfahrzeuge. Lärm versetzt den Körper in einen Alarmzustand und verursacht auf diese Weise Stress, der wiederum Auslöser für eine hohe Anzahl erschiedenster Erkrankungen ist. So kann es beispielsweise durch die vermehrte Ausschüttung von Stresshormonen zu einer Änderung der Gehirnströme, zu Herz- und Kreislauferkrankungen sowie zu Nervosität und Schlafstörungen kommen.

Schadstoffemissionen durch Baustellenfahrzeuge und -geräte sowie ggf. Staubemissionen stellen eine weitere Gefährdungsquelle für den Menschen dar. Gerade bei der Erdkabelverlegung kann es aufgrund der umfangreichen Tiefbauarbeiten bei langanhaltender Trockenheit zu Staubverdriftung und Winderosionen kommen.

Aufgrund der erhöhten Störungsanfälligkeit der Erdkabel in Vergleich zu Freileitungen ist mit einer deutlich größeren Anzahl von Reparaturen und erheblichen Bauarbeiten zu rechnen. Die Reparaturen von Erdkabeln gestalten sich sehr viel schwieriger, weil der Fehler zunächst mühsam geortet werden muss, bevor mit den Grabungsarbeiten begonnen werden kann. Dies alles wirkt sich nicht nur auf den Kostenfaktor negativ aus, sondern bedeutet auch für die in Trassennähe lebenden Menschen immer wieder zusätzliche Belastungen ähnlich der Beeinträchtigungen während der Bauphase.