Elektrische Leitungen erzeugen zwei Arten von Feldern: elektrische und magnetische Felder. Ein Magnetfeld entsteht, wenn Strom durch eine Leitung fließt. Beim in Deutschland verbreiteten Wechselstrom ändert der Strom seine Richtung. Man spricht von einem Wechselfeld. Bei einer Frequenz von 50 Hertz ergeben sich 100 Richtungswechsel pro Sekunde. Bei Stromleitungen geht es nur um niederfrequente Felder. Zur Charakterisierung eines Magnetfeldes wird meistens die Flussdichte B mit der Einheit Tesla (T) herangezogen. 0,000001 T = 1 μT.

Während elektrische Felder durch die metallischen Kabelmäntel komplett abgeschirmt werden können, ist ein Schutz vor dem magnetischen Feld kaum möglich. Es durchdringt Hauswände und auch den menschlichen Körper. Selbst metallische Abschirmungen halten es nur sehr begrenzt zurück. Ein Schutzanspruch ist in der 26. Verordnung zur Durchführung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes (Verordnung über elektromagnetische Felder – 26. BImSchV) geregelt. Dieses Gesetz zählt gemäß § 3 die magnetischen Felder zu den schädlichen Umwelteinwirkungen, vor denen Mensch und Umwelt geschützt werden müssen. Vorschriften nicht nur zum Schutz, sondern auch zur Vorsorge, könnten in dieser Verordnung durch den Verordnungsgeber bereits heute erlassen werden. Lediglich in § 4 werden konkrete Aussagen für Niederfrequenzanlagen bzgl. eines Vorsorgeanspruchs getroffen (allerdings mit nur unzureichenden Bestimmungen). Besondere Vorsichtsmaßnahmen sind demnach nötig bei Errichtung von Niederfrequenzanlagen in der Nähe von besonders schützenswerten Einrichtungen wie Wohnungen, Krankenhäusern, Schulen, Kindergärten, Kinderhorten, Spielplätzen und ähnlichen Einrichtungen.

In dieser Verordnung werden auch die Grenzwerte für elektromagnetische Felder geregelt. In Deutschland gilt für Höchstspannungsleitungen ein Grenzwert für die magnetische Flussdichte von 100 μT bei maximaler Anlagenauslastung. Die weltweit sehr unterschiedlichen Grenzwerte, Vorschriften und Empfehlungen zum Schutz der Bevölkerung vor niederfrequenten elektromagnetischen Wechselfeldern, die teilweise nur ein Hundertstel der deutschen Werte betragen, zeigen die bestehende Wissensunsicherheit. Sicherheitshalber wurden im Ausland deshalb im Bereich von z. B. Kindergärten und Schulen die Grenzwerte nochmals herabgesetzt. So beträgt beispielsweise der Vorsorge-Grenzwert in der Schweiz 1 μT.

Die über und neben der Erdkabeltrasse zu erwartenden Werte hängen u. a. von der Verlegetiefe der Kabel und von der Stärke des übertragenen Stroms ab. Verschiedene Berechnungen weisen darauf hin, dass die zu erwartenden Werte den deutschen Grenzwert direkt über der Trasse nur knapp unterschreiten oder sogar überschreiten. Rechts und links der Erdkabeltrassen fallen die Feldstärken des magnetischen Feldes schneller ab als seitlich der Freileitungen. Direkt über dem Erdkabel werden dagegen deutlich höhere Werte erreicht als unter Freileitungen gleicher Spannung.

Alle bisher veröffentlichten Werte bzgl. der magnetischen Flussdichte bei 380 kV-Erdkabeltrassen in Drehstromtechnik resultieren lediglich aus Berechnungen, da es sich bei dem Projekt Wahle-Mecklar um ein Pilotvorhaben handelt. Lt. der holländischen Fa. TenneT, die als grenzüberschreitender Übertragungsnetzbetreiber für Planung und Bau dieser Trasse verantwortlich ist, wird mit dem Begriff treffend zum Ausdruck gebracht, dass hier der Einsatz von Erdkabeln getestet wird. Unter wissenschaftlicher Begleitung der TU Delft und der Universität Hannover findet also ein ethisch mehr als zweifelhafter Versuch an Menschen statt. Sichere Vergleichswerte können nicht vorliegen.